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26 Mai '22 28 Aug '22

Bild und Raum

  • Jahreshighlight
Candida Höfer erforscht mit ihren Fotografien gebaute Räume. Ihre weltbekannten Interieurs nehmen Bibliotheken, Museen, Gaststätten, Theater und andere öffentlich zugängliche Orte in den Blick, lassen die Architektur neu erleben.

Im Vergleich mit fotografischen Interieurs aus der über 150 Jahre alten Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek entspinnt sich ein Dialog zwischen angewandter Fotografie und künstlerischer Arbeit. Die insgesamt etwa 200 Werke – zu denen auch Aufnahmen aus zoologischen Gärten und bislang wenig bekannte Serien aus Höfers Frühwerk sowie deren selten oder noch nie gezeigte Pendants aus der Sammlung Fotografie gehören – laden zu neuen Blicken auf das Werk Höfers und die Sammlung Fotografie, aber auch auf das Medium Fotografie selbst ein.

Künstlerische Architekturfotografie

Candida Höfer (* 1944) widmete sich seit ihrem Studium bei Bernd und Hilla Becher an der Düsseldorfer Kunstakademie gegen Ende der 1970er-Jahre immer intensiver der Architekturfotografie. Sie hat sich auf diese wichtige Gattung konzentriert, ohne jedoch wie Fotografen früherer Generationen im Auftrag von Architekten und Kunsthistorikern tätig zu werden. Sie begreift ihre Arbeit als künstlerische Fotografie, und das Fotografieren von Innenräumen wurde von ihr selbstbestimmt als Haupttätigkeitsfeld ausgewählt.

Sie selbst steckte dafür den Rahmen ab: „Ich fotografiere in öffentlichen und halböffentlichen Räumen aus unterschiedlichen Epochen. Es sind Räume, die für jeden zugänglich sind. Es sind Plätze der Begegnung, der Kommunikation, des Wissens, der Entspannung, der Erholung. Es sind Kuranlagen, Hotels, Wartesäle, Museen, Bibliotheken, Universitäten, Banken, Kirche und seit einigen Jahren Zoologische Gärten.“

Verweis auf kommunikative Funktion der Orte

Diese Aufzählung ist nicht abschließend gemeint, sie verweist vor allem auf die kommunikativen Funktionen der von ihr aufgenommenen Orte, die jedoch paradoxerweise ohne die sie frequentierenden Menschen gezeigt werden: Die den menschlichen Austausch ermöglichenden Qualitäten oder Mängel der Räume demonstriert Candida Höfer an der Architektur selbst, an der von ihr jeweils spezifisch erfassten Atmosphäre, an der von ihr gewählten Perspektive und dem Bildausschnitt. Die Themengruppen werden von ihr also nicht seriell in den Blick genommen, die jeweiligen Orte geben für sie das Bildformat wie auch die Größe der Abzüge vor. Doch bietet die Zusammenstellung der Gruppen vielfältige Vergleichsmöglichkeiten, die das langjährige und nachhaltige Interesse der Fotografin an den spezifischen Orten eindrucksvoll bestätigen.

Breiter Querschnitt mit etwa 90 Werken im Museum für Fotografie

Die Sonderausstellung im Museum für Fotografie eröffnet mit etwa 90 Werken einen breiten Querschnitt durch die Raumaufnahmen Candida Höfers von 1980 bis in die unmittelbare Gegenwart. Die langen Traditionslinien ihrer Architekturaufnahmen reichen jedoch auch tief in den klassischen Kanon dieses Aufgabengebiets hinein. Im Dialog mit Pendants und Gegenbildern aus der Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek erschließt sich der besondere Zugriff Höfers auf ihre Bildmotive besonders eindrücklich.

Architekturfotografien der Sammlung Fotografie

Für die Sammlung Fotografie bildeten die Architekturfotografien den Grundstock ihrer Sammeltätigkeit. Als Vorbildersammlung angelegt, sollte sie einem breiten Publikum die besonderen baulichen Qualitäten aktueller wie historischer Architektur ebenso exakt wie anschaulich im fotografischen Abbild in großer Menge vermitteln. In der viele zehntausend Abzüge umfassenden Sammlung sind in den meisten Fällen die Namen der Fotograf*innen nicht bekannt. Doch konnten nachträglich über Inventare und Bildvergleiche Werkgruppen bedeutender Vertreter des Fachs ermittelt werden, etwa von Eugène Atget, Frank Cousins, Samuel Bourne, Fratelli Alinari, Max Krajewsky, Emil Leitner, Felix Alexander Oppenheim bis hin zu Albert Renger-Patzsch und Karl Hugo Schmölz. In den letzten Jahren kamen Archive des Schinkel- und Stüler-Fotografen Hillert Ibbeken, der Münchner Architekturfotografin Sigrid Neubert und des Stuttgarter Industriefotografen Ludwig Windstosser hinzu. Den beiden letztgenannten widmete das Museum für Fotografie umfassende Retrospektiven.

Visuell stimulierender Dialog der Bilder

Einige Themengruppen zeigen exemplarisch den visuell stimulierenden Dialog der Bilder: Fassaden, Fenster und Türen öffnen und verschließen den Blick in Räume oder aus ihnen heraus. Mit zwei Fotografien der niederländischen Botschaft in Berlin stellt Candida Höfer das Thema exemplarisch vor. Dazu fügen sich ein Fensterbild der klassischen Avantgarde von Florence Henri oder der großformatige Blick aus einem Hochhaus auf die Häuserlandschaft des südlichen Manhattans von Reiner Leist aus dem Jahr 1996. Besonders reizvoll entspinnt sich das Zwiegespräch der Bilder bei den Aufnahmen von der Berliner Museumsinsel. Zeigen die gestochen scharfen großformatigen Kontaktkopien der Königlich Preußischen Messbildanstalt noch das monumentale Treppenhaus mit den Fresken Wilhelm von Kaulbachs, so erfasst Ryuji Miyamoto im Jahr 2000 den transitorischen Zustand des noch ruinösen Gebäudes vor dem Beginn des Innenausbaus und zeigt Candida Höfer wiederum 2009 dessen Abschluss.

Liverpool-Serie von 1968

Bisher unveröffentlicht sind Höfers Farbaufnahmen aus ihrer Liverpool-Serie von 1968, von denen sich ein Entwicklungsstrang zu ihren Bildern der Gasträume in Cafés, Hotels, Kuranlagen und Wartesälen nach 1980 ziehen lässt. Sie werden mit den eher journalistisch aufgefassten Straßenszenen von Willy Römer und Bernard Larsson, den Bildern Dirk Alvermanns spanischer Barszenen um 1960 sowie den Aufnahmen von Helga Paris der mittleren 1970er Jahre von Berliner Kneipen aus der Sammlung Fotografie ins Gespräch gebracht.

Katalog
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König, Köln.

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Museum für Fotografie - Helmut Newton Stiftung, Jebensstraße 2, 10623 Berlin
1653523201